Er allein ist unsere Hoffnung, er begleitet uns in unserem Gottvertrauen

Palmsonntag (l.B.und Schw.), gerade in dieser, unserer schwierigen Zeit. – Ich hätte heute die Predigt, daher möchte ich euch( Ihnen) einige Hinweise geben:

Heute beginnt die Karwoche, die Hl. Woche und am Anfang steht der Palmsonntag mit der Feier des Einzugs Jesu in Jerusalem. Auch wir wollen Jesus als unseren König und Erlöser begrüßen und begleiten.
Als kleine Hilfe, da wir ja kein Mitfeiern in der Kirche haben, beten wir gemeinsam:

  • Herr Jesus Christus, du hast dich erniedrigt bis zum Tod am Kreuz: Herr, erbarme dich!
  • Herr Jesus Christus, dich hat Gott über alle erhöht: Christus, erbarme dich!
  • Herr Jesus Christus, vor dir beugen wir vertrauensvoll unsere Knie und bekennen: Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er lasse uns unsere Sünden nach und führe uns in seine Herrlichkeit.

Im Tagesgebet beten wir gemeinsam:
Allmächtiger ewiger Gott, deinem Willen gehorsam, hat unser Erlöser Fleisch angenommen, er hat sich selbst erniedrigt und sich unter die Schmach des Kreuzes gebeugt. Hilf uns, dass wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen und an seiner Auferstehung Anteil erlangen. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unserem Herrn und Bruder. Amen.

Die Lesungen des heutigen Tages:

  1. Lesung: Jes 50, 4-7
  2. 2. Lesung: Phil 2,6-11
  3. Passion MT 24, 14 -66

Paulus gibt uns heute seine Meinung über Christus mit: „Gott hat ihn erhöht und ihm einen Namen gegeben, der höher als alle Namen ist. – Das heißt: Dieser Jesus ist der Messias, der Herr, er ist durch Gott geheiligt.

Das, liebe Gläubige, feiern wir in dieser Woche. Jesus, anfangs von den Massen bewundert und gefeiert, ging den Weg der Erniedrigung bis zum Tod. Aber Gott hat genau diesen Weg zu Ostern richtig bestätigt: Jesus ist der Messias, unser Ansprechpartner, Herr und Heiland.
Er allein ist unsere Hoffnung, er begleitet uns in unserem Gottvertrauen, aber auch in unseren Glaubenszweifeln, einfach in allem, was mit Gottes Hilfe aus unserem Leben noch werden soll.

Lasst uns besonders unsere Jungfrau und Gottesmutter Maria um die Treue und Festigkeit auf dem Weg des Glaubens bitten, und auch für unser ganzes Leben, das vollendet wird in der Gemeinschaft der hl. Kirche.

Bitten wir gemeinsam Gott um seine Hilfe und um sein Erbarmen!

Was ist meine Antwort auf die Frage Jesu: Ich bin die Auferstehung und das Leben – Glaubst du das?

Unser Bibeltext  ist nicht so sehr eine Wundergeschichte, natürlich auch, aber – sie ist in erster Linie  eine Glaubensgeschichte – und damit auch ein Teil unserer Glaubensgeschichte! Denn je nach meinem momentanen Standort gelten mir, gelten uns die verschiedenen Fragen und Aufforderungen.

Was ist meine Antwort auf die Frage Jesu: Ich bin die Auferstehung und das Leben – Glaubst du das?

Was ist meine Reaktion auf seine Aufforderung: Lazarus komm heraus?

Wie gehe ich auf den Tod zu – inwieweit bietet mir das eine Gelegenheit, mich auf diesen  Tod vorzubereiten?

Oder – bleibe ich lieber Zuhörer/in und beobachte das Verhalten der Mitmenschen; erwarte ich ein besonderes Ereignis, das mich von einer eigenen Entscheidung entbindet, den Worten Jesu Glauben zu schenken?

Ostern ist da, Ziel all unserer Lebenswege – wir sind nur Gast auf  Erden – und irgendwann wird man uns das letzte Hemd anziehen, ein Hemd, das keine Taschen hat. Wir müssen lernen, mit Jesus zu weinen über den Tod seines Freundes Lazarus, ja über alle unsere Verstorbenen.

Nehmen wir gerade auch in unsrer Zeit alle hoffnungsvollen Gedanken mit, wenn wir am kommenden Sonntag die Feier der hl. Woche beginnen. Erinnern wir uns dabei an die Geschichte vom Leben, immer dann, wenn  wir ohne Hoffnung und Zuversicht sind.

„Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vorhat“

Für unsere Coronazeit zur Beruhigung ein Ausspruch von Selma Lagerlöf, der schwedischen Schriftstellerin:

Man sollte nicht ängstlich fragen: Was wird und kann noch kommen? Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vorhat.

Wenn wir es gelesen haben oder lesen, dann wissen wir, dass es lang und komplex ist; die Fülle der handelnden Personen ist verwirrend.
Ein Psychologe meint dazu gerade in unserer Zeit, man sollte sich in etwas hineindenken oder mit jemandem personifizieren – 3 Minuten die Augen schließen, um sich in diese Welt zu begeben. Beleuchten wir daher die Situation dieser Bibelstelle Joh.11, 1-45:

  1. Jesus hat Freunde: Außer den JüngernInnen, die ihn begleiten hat er auch Freunde, die ein Zuhause haben. FreundeInnen, bei denen er gerne immer gesehen wird, die sich um ihn kümmern, wo er sich geben kann, wie ihm gerade zu Mute ist. Haben wir gerade jetzt so jemanden, jemanden vor Augen?
  2. Seine Jünger sind wenig begeistert, wieder in die Nähe von Jerusalem zu gehen, denn von dort aus geht eine tödliche Bedrohung für ihren Meister aus. Das ist Thomas bewusst: „ Dann lasst  uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.“ – und er ist dazu bereit.
  3. Maria:  Sie ist die Stille, die Introvertierte. Sie weint und ihre Tränen erschüttern Jesus, ja sie rühren ihn selbst zu Tränen – auch uns?
  4. Marta: Sie bringt Trauer und Schmerz über den Verlust ihres Bruders – aber sie bringt ihren unerschütterlichen Glauben in den Mittelpunkt: „Ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes.“ Sie glaubt, hoffentlich wie wir, obwohl die momentane Realität dagegenspricht.
  5. Die Juden trösten die Schwestern, sie weinen mit, sie vermitteln viel Nähe und Liebe – und dieses  Mitgefühl hinterlässt seine Spuren. Können wir das auch von uns sagen?
  6. Lazarus: Sein Name ist Programm – Gott hilft. Er wird zum Zeichen der Herrlichkeit Gottes – viele glauben an Jesus.  Denken wir gerade in unserer Zeit auch daran – glauben wir daran?
  7. Und Jesus? Er ist im Evangelium zutiefst bewegt. Er liebt – weint – freut sich – ist im Innersten erregt und erschüttert –  hoffentlich wie wir?

Darum dürfen wir voll Vertrauen, wie es im Brevier, dem   Stundenbuch der Kirche heißt, beten:
„Mein Gott, du wurdest meine Hilfe, meine Seele hängt an dir.“

Legen wir all unsere Sorgen, Ängste, aber auch unsere Freuden und unsere Liebe in Gottes Hand!

Der liebe Gott lässt sich an Großmut nicht übertreffen; er wird uns helfen und beistehen in allen Lagen und Gefahren des Lebens

Fünfter Fastensonntag: Gerade auch an diesem Sonntag wollen wir im gemeinsamen Gebet verbunden sein – Der Herr, der uns zum Leben ruft, er sei mit uns allen!

Unser Bekenntnis:
Herr Jesus Christus, du bringst uns die Liebe des Vaters. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist unser Friede und unsere Versöhnung. Christus erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist unser Leben und unsere Vollendung. Herr, erbarme dich.

Im heutigen Tagesgebet legen wir all unsere Sorgen, aber auch unsere Freuden in Gottes Hand: Herr, unser Gott, dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt dem Tod überliefert. 
Lass uns in deiner Liebe bleiben  und  mit deiner Gnade aus ihr leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Hl. Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Die Bibelstellen dieses Sonntags

  1. Lesung: Ez 37, 12b-14: Das Leben der Verbannung ist wie der Tod. Gott aber führt sein Volk aus diesem Tod heraus. Er gibt seinen Geist, und alle werden Gott als die Quelle des Lebens erkennen.
  2. Lesung: Röm 8,8-11 : Der Geist Gottes wohnt in den Christen. Dieser Geist hat Jesus von den Toten erweckt. Er wird alle zum Leben erwecken, die zu ihm gehören.
  3. Evangelium: Joh 11, 1-45: Wer Jesus begegnet, der begegnet dem Leben. Jesus führt uns alle zum Leben, die an ihn glauben.

Ich glaube, das sind ermunternde Worte gerade auch in unserer jetzigen Situation.  Bleiben wir im Gebet vereint; wir wollen Brücken bauen zueinander, besonders der älteren und kranken Menschen gedenken, die  gerade jetzt unsere Hilfe brauchen; wir gedenken auch aller unserer Schwestern und Brüder über alle Grenzen hinweg.

Für diese Woche als Hilfe:
Der liebe Gott lässt sich an Großmut nicht übertreffen; er wird uns helfen und beistehen in allen Lagen und Gefahren des Lebens.

Sehend ist, wer selbst im Versagen und Scheitern noch Möglichkeiten zur Hoffnung entdeckt

Ich möchte Ihnen in Fortsetzung der Frohen Botschaft des letzten Sonntags (Joh 9, 1-41) 2 Impulse zum Nachdenken aufzeigen – wir haben jetzt auch mehr Zeit dazu:

  1. Impuls – Psychologie

Auch die Psychologie meldet sich zu Wort, dort heißt es: Jeder, der anderen gegenüber ausgesprochen kritisch ist (wie die Umgebung des Blinden im Evangelium), der ist auch seinen eigenen Schwächen gegenüber blind. Bei jedem anderen entdecken wir genügend Fehler, aber uns selber halten wir für die Prototypen des Unschuldslammes. Wenn ein anderer einmal einen Fehler gemacht hat, dann kann man den nicht ausgiebig genug ausschlachten – bei sich selbst ist man felsenfest der Überzeugung, dass alles bestens und in Ordnung ist.

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Jemand hat das humorvoll gesagt, als er meinte ein Rezept zu haben, wie die Beichtstühle wieder voll würden: „Jeder müsste nicht mehr seine eigenen Sünden beichten, sondern die seiner Nachbarn, Bekannten, Mitarbeiter, … usw.

2. Impuls – Frage des Evangeliums

Das Evangelium endet mit einer großen Frage: Sind die Sehenden nicht blind, die Blinden hingegen Sehende?

Bedenken wir:

  • Sehend ist, wer bereit ist, sich selbst in Frage zu stellen. 
  • Sehend ist, wer in der Lage ist, liebgewordene Vorurteile aufzugeben. 
  • Sehend ist, wem die Fehler anderer nicht Anlass zum Gerede und Getratsche, sondern Anlass sind, ihnen zu helfen und für sie zu beten.  
  • Sehend ist, wer selbst im Versagen   und  Scheitern noch Möglichkeiten zur Hoffnung entdeckt.
  • Sehend ist, wer glauben kann, an den Nächsten, an sich selbst und an Christus, der das Licht der Welt ist.

Kannst du kein Stern am Himmel sein, so sei eine Lampe im Haus.

Anregung aus Arabien

Christus hat uns das Augenlicht unseres Glaubens, unserer Hoffnung und unserer Liebe geschenkt

Gedanken zum 4. Fastensonntag „Laetare“, 22.03.2020

Auf einem Kalenderblatt habe ich folgenden Spruch gelesen:

Mancher sucht sein Leben lang die Brille der Erkenntnis, ohne zu merken, dass er sie auf der Nase hat.

Dieser Satz ist mir eingefallen, als ich mich mit den Texten der Hl. Schrift zum heutigen 4. Fastensonntag, dem Sonntag „Laetare“ auseinandergesetzt habe. In dieser vorherrschenden Coronasituation möchte ich Ihnen ein paar Gedanken mitgeben:

Schritt für Schritt wird der Blinde im Johannesevangelium von seiner Krankheit geheilt,

  • zunächst seine Augen, die wieder sehen können,
  • dann öffnet Jesus ihm auch die Augen des Herzens, sodass der Geheilte in tiefster Überzeugung bekennen kann: „Ich glaube Herr!

Gerade in der jetzigen Zeit lässt uns daher Jesus Gott sehen, er lässt uns auch in dieser Zeit die Liebe Gottes, seine Fürsorge und Umsicht sehen. Und damit führt er uns auch zu unseren Mitmenschen. Er lässt uns auf seine Nöte und Bedürfnisse sehen, ich meine damit ein besonderes Augenlicht, das uns geschenkt ist.

Gott lässt uns auch im Leiden und in den Ängsten von uns selber und unseren Mitmenschen seine Gegenwart sehen – gerade in der Fastenzeit haben wir ja im Kreuzweg das Kreuz Jesu vor Augen. Christus hat uns das Augenlicht unseres Glaubens, unserer Hoffnung und unserer Liebe geschenkt.

Gott allein ist unsere Zuversicht, wenden wir uns an ihn und beten wir immerwieder: Gott ist die Liebe. Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.

Abschließend noch ein Satz zum Überlegen:

Die gute Zeit fällt nicht vom Himmel, sondern wir schaffen sie selbst, sie liegt in unserem Herzen eingeschlossen.

Fjodor Dostojewsky, russ. Schriftsteller

Beten wir voll Vertrauen zum Herrn und legen wir uns und alle kranken Mitmenschen getrost in seine Hände!

Texte der Hl. Schrift zum 4. Fastensonntag:

1. Lesung: 1 Sam. 16, 1b. 6-7. 10-13b  
2. Lesung: Eph. 5, 8-14  
Evang: Joh. 9, 1-41