Jesus ist auf unseren Wegen, wir sind auf seinen Wegen

Fest der Taufe des Herrn 

Eine Geschichte aus Bolivien erzählt vom Land der Brunnen:

Es ist von einem hohen Berg aus zu sehen. Im Inneren dieses Berges gibt es ein Geheimnis. Wenn man in das Land schaut, wundert man sich, denn es ist wüst und öde, obwohl es viele Brunnen gibt. Diese Brunnen sind aber versiegt, verstopft, oder zugeschüttet mit Steinen und allem möglichen Abfall.

Eines Tages beginnt der älteste Brunnen nachzudenken. „Wozu bin ich überhaupt da, wenn ich kein Wasser gebe?“ Und so holt er Schutt und Steine, einfach alles, was ihn verstopft hat heraus, und er findet eine Quelle, die immer noch Wasser gibt – es steigt in ihm immer höher und sprudelt schließlich über den Brunnenrand. Die anderen Brunnen, die ihn dabei belächelt haben, machen es ihm nach – es gelingt auch ihnen – und bald sprudeln alle Brunnen wieder, und das Land wird grün und alles blüht.                                                   

Das Wasser, das sie speist, kommt aus einem Strom in der Tiefe des großen Berges, denn dort sprudelt eine Quelle, die nie versiegt, rein und klar. Wer dieses Wasser aufnimmt, wer sich füllen lässt, wird ein lebendiger Brunnen

Im Evangelium ( Lk 3,15-16.21-22) wird uns heute eine Geschichte von Gott und Menschen erzählt, eine Geschichte vom Wasser: Jesus kommt zusammen mit vielen Menschen zu Johannes an den Jordan und wird von diesem getauft. Er hört nach der Taufe eine Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ 

D.h. Jesus will sein, wie alle anderen Menschen, nichts Besseres, nichts Besonderes; er zeigt damit, dass er in unser Menschenleben hineingehen will – wir haben es gerade erst in den Weihnachtstagen gefeiert – er will Mensch sein wie wir, einer  von uns. 

Wenn in der Kirche Menschen getauft werden, zeigen sie damit, dass sie als Christen leben wollen. Wir gehen also in das Leben Jesu hinein, in seinen Tod und seine Auferstehung. 

Die Geschichte vom Land der Brunnen zeigt uns auch, dass das Wasser des Lebens in jeder/jedem von uns fließt. Gott liebt jede/jeden Einzelne/n. Diese Verbindung ist immer da, auch wenn sie machmal für längere Zeit nicht zum Vorschein kommt – Gott sagt uns immer wieder: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.“ 

Heute, am Fest der Taufe Jesu, sind wir eingeladen, uns an unsere Taufe zu erinnern.  

Jesusgeht durch seine Taufe auf Menschenwegen, und wir sind  durch unsere Taufe auf seine Wege geschickt. So kann und wird aus dem öden Land ein Land der Brunnen werden, in denen alle vom Wasser des Lebens schöpfen können. 

Wichtig dabei ist für uns alle, dass wir glaubwürdig sind und glaubwürdig leben – unser Glaube und unser Zeugnis wird und kann die Welt verändern.

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