Jesus ist auf unseren Wegen, wir sind auf seinen Wegen

Fest der Taufe des Herrn 

Eine Geschichte aus Bolivien erzählt vom Land der Brunnen:

Es ist von einem hohen Berg aus zu sehen. Im Inneren dieses Berges gibt es ein Geheimnis. Wenn man in das Land schaut, wundert man sich, denn es ist wüst und öde, obwohl es viele Brunnen gibt. Diese Brunnen sind aber versiegt, verstopft, oder zugeschüttet mit Steinen und allem möglichen Abfall.

Eines Tages beginnt der älteste Brunnen nachzudenken. „Wozu bin ich überhaupt da, wenn ich kein Wasser gebe?“ Und so holt er Schutt und Steine, einfach alles, was ihn verstopft hat heraus, und er findet eine Quelle, die immer noch Wasser gibt – es steigt in ihm immer höher und sprudelt schließlich über den Brunnenrand. Die anderen Brunnen, die ihn dabei belächelt haben, machen es ihm nach – es gelingt auch ihnen – und bald sprudeln alle Brunnen wieder, und das Land wird grün und alles blüht.                                                   

Das Wasser, das sie speist, kommt aus einem Strom in der Tiefe des großen Berges, denn dort sprudelt eine Quelle, die nie versiegt, rein und klar. Wer dieses Wasser aufnimmt, wer sich füllen lässt, wird ein lebendiger Brunnen

Im Evangelium ( Lk 3,15-16.21-22) wird uns heute eine Geschichte von Gott und Menschen erzählt, eine Geschichte vom Wasser: Jesus kommt zusammen mit vielen Menschen zu Johannes an den Jordan und wird von diesem getauft. Er hört nach der Taufe eine Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ 

D.h. Jesus will sein, wie alle anderen Menschen, nichts Besseres, nichts Besonderes; er zeigt damit, dass er in unser Menschenleben hineingehen will – wir haben es gerade erst in den Weihnachtstagen gefeiert – er will Mensch sein wie wir, einer  von uns. 

Wenn in der Kirche Menschen getauft werden, zeigen sie damit, dass sie als Christen leben wollen. Wir gehen also in das Leben Jesu hinein, in seinen Tod und seine Auferstehung. 

Die Geschichte vom Land der Brunnen zeigt uns auch, dass das Wasser des Lebens in jeder/jedem von uns fließt. Gott liebt jede/jeden Einzelne/n. Diese Verbindung ist immer da, auch wenn sie machmal für längere Zeit nicht zum Vorschein kommt – Gott sagt uns immer wieder: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.“ 

Heute, am Fest der Taufe Jesu, sind wir eingeladen, uns an unsere Taufe zu erinnern.  

Jesusgeht durch seine Taufe auf Menschenwegen, und wir sind  durch unsere Taufe auf seine Wege geschickt. So kann und wird aus dem öden Land ein Land der Brunnen werden, in denen alle vom Wasser des Lebens schöpfen können. 

Wichtig dabei ist für uns alle, dass wir glaubwürdig sind und glaubwürdig leben – unser Glaube und unser Zeugnis wird und kann die Welt verändern.

Fest der Erscheinung des Herrn

Wir wollen heute noch auf die Krippe schauen – Ochs und Esel können manchmal dabei fehlen, wie auch bei uns in der Krippe der Kirche, aber die hl. 3 Könige fehlen nicht. 

6. Jänner – Fest der Erscheinung des Herrn    

Unser Bekenntnis:

Licht, das uns erschien, Kind vor dem wir knien: Herr, erbarme dich.

Dem sich der Himmel neigt, dem sich die Erde beugt:  Christus; erbarme dich. 

Glanz der Herrlichkeit, König aller Zeit: Herr, erbarme dich. 

Lasset uns beten: Allherrschender Gott, durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind, hast du den heutigen Tag den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart. Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt. Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. 

  1. Lesung: Jes 60,1-6: Die Weissagung aus dem Buch Jesaja hat sich erfüllt, als die Weisen  aus dem Morgenland zum Kind in der Krippe kamen und ihm Gold und Weihrauch brachten. 
  2. Lesung: Eph 3,2-3a.5-6: Nicht nur die Juden, sondern auch die Heiden haben teil an der Verheißung Gottes, die durch Christus ergangen ist. 
  3. Evangelium: Mt 2,1-12: Die Weisen aus dem Osten kamen mit Gaben zur Krippe – und gingen als Beschenkte heim in ihr Land. 

Eine alte russische Legende dazu: 

Es hätten sich nicht drei, sondern vier Könige aufgemacht, um das Kind in der Krippe anzubeten. Während die anderen drei jedoch ihren Weg gingen und über Jerusalem nach Betlehem fanden, verlief der Weg des vierten Königs nicht so geradlinig: Als Gabe für das Kind hatte er drei Edelsteine mitgenommen, die er dem Herrn der Welt schenken wollte. 

Auf seinem Weg fand er jedoch ein ausgesetztes, nacktes Kind, das aus fünf Wunden blutete. Er brachte es ins nächste Dorf und sorgte für das Kind, indem er es einer Frau zur Pflege gab – dafür gab er ihr einen Edelstein. 

Die Not dieses Kindes machte ihn sehr sensibel für alle Not und er gab die verbliebenen Edelsteine her, um einer Frau und ihrer Familie das Los der Sklaverei u ersparen, und ein Dorf im Krieg von der Zerstörung zu bewahren.  

Müde und traurig ging er weiter – sein Stern war erloschen. 

Er selbst war ganz arm geworden. Er kaufte aber einen Unglücklichen mit seinem eigenen Leben los und so wurde er für ihn als Sklave auf einer Galeere angekettet. Viele Fragen und Zweifel stiegen in seinem Herzen auf – doch da leuchtete ihm der Stern in  seiner Seele auf. Als er schließlich freigelassen wurde, kam er an die Tore einer fremden Stadt. Auf einem Hügel ragten drei Kreuze und über dem Kreuz in der Mitte blieb der Stern stehen, leuchtete noch einmal auf und erlosch. 

Da wusste der König: „Dieser ist der König der Menschen. Dieser ist Gott, der Heiland der Welt, den ich gesucht habe. Er ist mir begegnet in allen Menschen, die hilflos und  in Not waren. Ihm habe ich gedient, indem ich ihnen geholfen habe.“ 

Er sank unter dem Kreuz in die Knie und streckte seine leeren Hände dem Herrn entgegen; da fielen drei Tropfen Blut vom Kreuz in die Hände des Königs. Sie leuchteten mehr als jeder Edelstein. 

Eigentlich sehen wir uns selbst als  den vierten König vor der Krippe- und das Fest der Erscheinung des Herrn sendet uns mit ihm hinaus in den Alltag unseres Jahres, ja unseres Lebens. 

Die Liebe, die ihren Weg in der Krippe begonnen hat und uns alle liebt, liebt uns bis zum Tod am Kreuz. – Sie ist der Edelstein, der uns allen mitgegeben ist auf unserem Lebensweg. 

Jesus das Licht der Welt …

Tagesgebet: Allmächtiger, ewiger Gott, du erleuchtest uns alle, die an dich glauben. Offenbare dich den Völkern der Erde, damit alle Menschen das Licht deiner Herrlichkeit schauen. Darum bitten wir durch Christus unsern Herrn und Gott im Hl. Geist. Amen. 

  • 1.Lesung: Sir 24,1-2.8-12: Die Weisheit Gottes trat aus ihrer Verborgenheit heraus, indem sie sich einen sprachlichen Ausdruck gab in den Schriften der Bibel und ein menschliches Schicksal annahm in Jesus von Nazaret. 
  • 2. Lesung: Eph 1,3-6.15-18: In Jesus Christus hat Gott uns geschenkt, was sich in den Ereignissen des Alten Bundes schon angedeutet und vorbereitet hatte. 
  • Evangelium: Joh 1,1-18: Gott öffnete in der Menschwerdung seines Sohnes sein innerstes Geheimnis, seine Liebe. In sie werden wir aufgenommen, wenn wir uns die Weisheit Gottes vertrauensvoll einpflanzen lassen. 

Meine Gedanken zum heutigen Sonntag, dem 2. Sonntag nach Weihnachten: 

Heute stellen sich viele Leute die Frage, was besonders in und out ist, welche Trends gibt es? Oft übernehmen wir solche Trends nur deshalb, weil sie angeblich modern und „voll cool“ sind. Damit lassen wir uns oft von fremden Zwängen vorschreiben, was wir tun und lassen sollen. 

Bei einem Zeugnis hingegen ist es das Schöne selbst, was uns treibt. Wie haben etwas Tolles erlebt und gebe Zeugnis davon. Wenn Jesus unser Leben ist, wenn Gott unsere Mitte geworden ist, dann werden wir Zeugen Jesu Christi – ein echter Zeuge lässt sich nie einschüchtern von der Meinung anderer Menschen. 

Zeugen sein heißt, wir berichten nicht nur mit Worten, was wir gesehen oder wie wir Jesus erlebt haben, sondern wir bezeugen das mit unserem Tun – Worte allein genügen nicht. 

Zeugnis geben bedeutet, dass wir unser Leben verändern, dass wir so leben, wie es Jesus uns aufgetragen hat. 

Wir alle, jede und jeder, ob groß oder klein, ob bedeutend oder unbedeutend, sind berufen, Zeugnis abzulegen für das Licht Jesus, damit möglichst viele Mitmenschen zum Glauben kommen. 

Jesus ist das Licht der Welt und wir dürfen und sollen seine Zeugen sein 

Zum Neuen Jahr 2022

  1.  Lesung: Num 6,22- 27   –  Segen heißt, Gottes Heil und Liebe zu empfangen. Der                    Herr legt seinen Namen auf die Menschen und segnet sie.   
  2. Lesung: Gal 4,4-7 –  Wann ist eine Zeit erfüllt, woran erkennt man diese Fülle? Gott sendet seinen Sohn in diese Welt Durch seine Gegenwart erfüllt er unsere Zeit.
  3.  Evangelium: Lk 2, 16-21 – Maria und Josef bringen ihr Kind zum Tempel. Sie stellen es unter Gottes Segen. Das Kind bekommt seinen Namen: Jesus. 

Die Mitte der Nacht ist der Beginn des neuen Tages. Nicht immer erwarten wir den Tag wie in dieser Nacht mit einem Prosit Neujahr, das soviel bedeutet wie – es möge gelingen. 

Mein erster Wunsch zum Neuen Jahr: den Worten vom Frieden mögen Taten folgen, die zum Frieden führen. Dazu füge ich ein Gebet an, das aus dem Geist des hl. Franziskus entstanden ist: „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.“ 

Wir haben die Tür zum Neuen Jahr durchschritten – mit einem Blick voraus, mit einem Blick des Vertrauens und  der Hoffnung auf das, was kommt.  Vertrauen und Hoffnung haben einen Namen, nämlich Jesus. 

„Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus.“ Ein Name wie eine Tür, wie ein Fenster in eine andere Welt. Der Name bedeutet für uns: Gott wird retten! Diesem Gott mit dem menschlichen Gesicht dürfen wir vertrauen, auf ihn dürfen wir unsere Hoffnung setzen, denn in keinem anderen Namen ist Heil. 

Mein zweiter Wunsch zum Neuen Jahr ist, dass wir in seinem Namen, in seinem Auftrag in die Zukunft gehen. In die Zukunft als seine Boten und Zeugen, als Boten seiner Verheißung, dass Gott retten wird,  und als Zeugen seines Friedens. 

Am Tor zum Neuen Jahr empfängt uns Maria. Durch ihr JA zur Botschaft des Engels ist Gott Mensch geworden. Durch sie hat Gott ein menschliches Gesicht , das Gesicht eines Kindes  bekommen. Maria wusste sicher nicht, worauf sie sich da eingelassen hatte – sie wusste nur auf wen sie sich da eingelassen hatte, als sie sagte: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ 

Mein dritter Wunsch zum Neuen Jahr, dass wir im Herzen bewahren, wozu wir gerufen und berufen sind, und wie wir unsere Antwort geben können als Christen in der Welt von heute. 

Möge nicht nur an Maria, sondern an uns alle sich erfüllen: Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Retter. Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Heil. 

Seien wir gewiss: 

Die Tür zum Neuen Jahr steht uns allen weit offen. 

Zum Ausklang des Jahres 2021 – D a n k s a g u n g

An der Schwelle des Jahres lege ich ein Wort des Dankes ein

  • für so viel Glück im Unglück, 
  • für Fügung und Führung,  
  • für die tagtägliche Vorsehung. 

Danke will ich allen sagen, die mir wohlgesonnen waren, die mir immer nahe und gut waren, die mir geholfen, mich unterstützt und mich verstanden haben, besonders auch für die, die für mich gebetet haben. 

Mein Dank gilt für alle Orte und Worte, vor allem auch für alle Taten gelebten Glaubens und gläubigen Lebens, für Oasen der Stille und Ruheplätze am Wasser. 

An der Schwelle des Jahres lege ich ein Wort des Dankes ein:

Für so viele Augenblicke unbegreiflicher Gnade, in denen Gottes Hilfe zum Greifen nahe war. 

Familie

Heute kommen 2 Feste zusammen – ich bin hin und hergerissen: 

  • Das Fest des hl. Stephanus, er war einer der ersten Diakone und wurde wegen seines Glaubens und seiner Weisheit gesteinigt (seine Kleider legte man zu Füßen eines Mannes, der Saulus = Paulus hieß). 
  • Heute ist auch das Fest der hl. Familie.

Bei diesem Fest muss ich mich immer an meine Seminarzeit in Melk erinnern. Für uns war damals die hl. Familie ein leuchtendes Vorbild, es wurde uns immer als ein überaus idyllisches Bild vor Augen gehalten. Aber ich hatte damals große Probleme, denn ich konnte das nicht mitvollziehen, weil ich aus einer sehr armen Familie kam, in der es zeitweilig zu sehr angespannten Situationen kam, oft durch belanglose Äußerlichkeiten, oft auch durch das fehlende Geld; auftauchende Konflikte waren da – wir Kinder waren natürlich auch der Grund dafür. 

Das heutige Evangelium gibt mir heute Recht: Da ist von Elternvorsorge, von großem Mutterschmerz die Rede – und – von einem eigensinnigen Kind. 

Mir wurden im Laufe der Zeit, selbst als Familienvater, die schwierige Situation klar und bewusst, dass solche Fragen in unseren Familien nicht ausbleiben (es geht Ihnen sicher ähnlich). 

In der heutigen Lesung des Apostels Paulus find ich eine Reihe von Vorschlägen, wie unser Familiensein gelingen kann. 

Tragt und ertragt einander in Liebe! 

Paulus weiß, wo Menschen hautnah miteinander zu tun haben, da kommen Schwächen besonders gut heraus, da kommt es zu Spannungen. Paulus mahnt daher zur Geduld miteinander auf. Dabei gilt es, den anderen zu tragen, mitzutragen, ihn nicht fallen zu lassen. Wichtig ist, dass wir uns in der Familie nicht fallen lassen, sondern immer füreinander sind. 

Belehrt und ermahnt euch einander in aller Weisheit! 

Das heißt nicht zu den Schwächen des anderen zu schweigen. Gerade in der Familie und Partnerschaft muss es möglich und erlaubt sein, einander in Weisheit und Liebe zum richtigen Zeitpunkt auch auf Fehlverhalten hinzuweisen – dabei darf es nicht um Besserwisserei, oder den Standpunkt aus Vorzeiten gehen. 

Vergebt einander! 

Schuld kann und wird immer vorkommen, aber sie darf nicht trennen. Nur, wenn ich jeden Tag von Neuem vergebe , dann können wir zusammen gehören, können wir miteinander leben. 

Seid dankbar! 

Denken wir immer daran, dass gerade die Dankbarkeit ein Zeichen dafür ist, dass nichts selbstverständlich ist. Denn, wenn Zusammenleben gelingen soll und kann, dann ist gegenseitige Dankbarkeit notwendig und unersetzbar. 

Ich hoffe, dass ich mit meinen Gedanken ein bisschen Hilfe zu einem gelungenen Zusammenleben geben konnte. 

Bitten wir daher und deshalb unseren Herrn und Gott, um heilige Familien in und für unsere Zeit.

Weihnachten ist die Sternstunde der Menschheit

In dieser Nacht ist ein Stern am Firmament aufgestrahlt, denn der Stern von Betlehem führt die Hirten zur Krippe, wo sie Maria und Josef mit dem neugeborenen Kind finden. Der Stern in der Nacht ist auch für uns der Wegweiser zum Kind, das Gott der Menschheit geschenkt hat. Und damit ist die Krippe zu einem neuen Ort der Gottesbegegnung geworden, hier berührt Gott auf einzigartige Weise die Erde, hier haben Himmel und Erde ihren Berührungspunkt – damit hat unser Leben einen Sinn bekommen. 

Einen solchen Stern können wir in solchen Menschen finden, die weihnachtlich leben. – Denn, Menschen können uns Stern sein, die uns Wegweiser sind, um uns das Geheimnis der Weihnacht zu erklären. 

Brasilianische Christen geben uns dazu eine gute Antwort auf die Frage: Wann ist Weihnachten? 

  • Wenn zwei Menschen einander verzeihen, 
  • Wenn jemand beschließt, ehrlich zu leben. 
  • Wenn ihr einander anseht mit den Augen des Herzens, mit einem Lächeln auf den Lippen. 
  • Denn es ist geboren die Liebe, es ist geboren der Friede, die Gerechtigkeit, die Hoffnung und die Freude. 
  • Denn es ist geboren Christus, der Herr! 

Lassen wir uns diese Botschaft in dieser geweihten Nacht in unser Herz hineinlegen und begreifen wir uns als weihnachtliche Menschen ,die wir in aller Dunkelheit, auch in aller Verzweiflung dieser Welt unser Menschsein begreifen. 

Gott wird Mensch in einem hilflosen und unscheinbaren Kind, um uns Menschen in seine Göttlichkeit hineinzunehmen. 

Der hl. Franz von Sales hat es in seiner Predigt am Heiligenabend 1613 so ausgedrückt: „So wird Christus heute in der Nacht geboren, unsichtbar, auf eine Weise, die dem menschlichen Geist unbegreiflich ist.“ 

Frohe und gnadenreiche Weihnachten!

Zum 4. Adventsonntag

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.

Francis Bacon
  • 1. Lesung: Mich 5,1-4a (5,2-5a) – Mit einem prophetischen Spruch an die Efratiter in Betlehem wird ein neuer David, der Israel führen wird, in Aussicht gestellt. 
  • 2. Lesung: Hebr 10,5-10 – dabei geht es nicht um den alttestamentlichen Opferkult, es geht um die Erfüllung des Willens Gottes. 
  • Evangelium: In der Begegnung Marias mit Elisabet wird die gläubige Offenheit Marias sichtbar, die der Welt Segen bringt. 

Im Fernsehen kann man in letzter Zeit immer wieder Werbungen sehen, in denen viele Produkte gerade zu Weihnachten gebracht werden. – Aber auch große Tische, hinter denen wichtige Männer und einige Frauen im Blickfeld stehen: Politiker, Unternehmer oder auch Gewerkschaftsbosse. Konferenzen nennt man das, und alle tun so so, als ob sie die Welt bewegen. Allerdings spricht nach einer Woche niemand mehr davon. 

Im Lukasevangelium wir heute etwas anderes geschildert: Ein kleines Dorf in den Bergen und dort sind zwei Frauen: Maria und Elisabet. Maria hat einen langen Weg hinter sich, um ihre Verwandte Elisabet zu besuchen. Maria ist noch eine sehr junge Frau, etwa 13 Jahre alt, Elisabet ist schon viel älter, an die 45 Jahre. Beide haben etwas gemeinsam: Sie erwarten ein Kind. 

Lukas lädt uns ein, bei beiden Frauen Gast zu sein – beide Frauen haben in den letzten Monaten viel erlebt. Beide hat ein Engel auf ihr Kind vorbereitet. Maria hat der Engel gesagt, dass ihr Kind der Erlöser der Menschen sein wird. Und ähnlich war es bei Elisabet, obwohl sie schon so alt ist, dass sie ein Kind erwarten wird, nämlich einen Boten, der dem Herrn vorangehen wird, einen mächtigen Propheten. 

Was in den beiden Frauen vor sich geht, das können wir nur erahnen. 

Elisabet wird vom Hl. Geist erfüllt und preist Maria mit lauter Stimme. Auch Maria preist Gott , der sie auserwählt und berufen hat, die Mutter des Erlösers zu sein. Indem die beiden Frauen sich begegnet sind, haben sie innerlich gespürt, welche Dinge im Augenblick geschehen. 

Tatsächlich hat sich in diesen Tagen und durch diese Frauen die Welt bewegt: Ihre beiden Kinder, Johannes und Jesus, werden der Welt ein neues Gesicht geben. Lukas sagt uns: So etwas geschieht nicht durch Menschen, die sich wichtig und bedeutsam geben , sondern durch einfache Frauen und damit auch durch einfache Menschen unter uns. 

Christus ist der Weg der Gottes- und der Nächstenliebe, auf dem wir jeder auf unsere eigene Art folgen sollen. Er setzt nicht durch und befiehlt, sondern er leitet uns durch diese Welt, damit wir uns in ihr nicht mehr verloren fühlen.

Freuet euch – Gaudete!

Das Zweite Vatikanische Konzil hat im Dezember 1965 in seiner Pastoralkonstitution folgendes mit diesen Worten verabschiedet: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst.“ Diese Worte entsprechen dem Philipperbrief des Apostels Paulus aus der heutigen Lesung. 

Im Evangelium fordert Johannes der Täufer eigentlich nichts Besonderes von seinen Zuhörern – nur – jeder soll dort, wo er lebt, in der Stellung, die er innehat, dazu beitragen, dass Menschen besser miteinander leben können 

Das passt gerade auch in unserer Zeit der Corona Pandemie. Diese Botschaft des Johannes gilt also auch für uns. 

Wenn wir ihn heute fragen würden: „Was sollen wir tun?“, dann könnte seine Antwort vielleicht lauten: Macht euch nicht lustig über die Schwächen anderer, sondern schaut lieber, was sie gut machen und lobt sie dafür. Oder – seid nicht maßlos in euren Wünschen und Ansprüchen, sondern schaut was ihr wirklich braucht. Oder – lasst euch nicht ständig bedienen, sondern leistet selbst eueren Anteil an jeder Arbeit, sei es zu Hause, in verschiedensten Gruppen oder auch in der Schule. Oder – tragt Streitigkeiten nicht mit den Fäusten aus. Oder – achtet auf ein gemeinsames Zusammenleben, haltet euch an Vorschriften, die dem Schutz der Mitmenschen dienen ( ich denke hier z.B., an die Maskenpflicht in Kirchen und Lebensmittelgeschäften). Oder – begegnet einander mit der Haltung der gegenwärtigen Wertschätzung, dass der oder die andere den Eindruck gewinnen: Der meint es gut mit mir. 

Nicht Angst und Konkurrenz sollen unser Zusammenleben bestimmen, sondern Rücksichtnahme, Fürsorglichkeit und Freundlichkeit. Denn, in solcher Atmosphäre können die Menschen uns herum erfahren: Gott ist nahe, und wir haben allen Grund darüber froh und dankbar dafür zu sein. 

Die Lesungen des 3. Adventsonntages: 

  • 1. Lesung: Zef 3,14-17: Auch das Volk Israel erfährt die Grundspannung menschlicher Existenz. Es hofft, dass Gott sein Volk liebt und Rettung bringt. Das ist Grund zu Jubel und Freude.
  • 2. Lesung: Phil 4,4-7: Obwohl Paulus im Gefängnis sitzt, ist er erfüllt vom tiefen Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt – und daher ruft er auf zur Freude. 
  • 3. Evangelium: Lk 3, 10-18: Der Advent, die Ankunft Gottes in unsere Welt, lässt uns vertrauen auf das rettende Wirken Gottes, verlangt aber auch unser eigenes Mittun.

Frei und zu vorbehaltloser Liebe fähig, – ohne die bohrende Angst

Zum  Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria 

Tagesgebet: Großer und heiliger Gott, im Hinblick auf den Erlösertod Christi  hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins vor jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten. Höre auf ihre Fürsprache: Mache uns frei von Sünden und erhalte uns in deiner Gnade, damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unserem Herrn. 

Lesungen:

  1. Lesung: Gen 3,9-15.20 
  2. Lesung: Eph 1,3-6.11-12
  3. Evangelium: Lk 1, 26-38 

Predigtgedanken: 

Maria ist das Urbild der erlösten Menschen, denn so sieht ein Mensch aus, so handelt ein Mensch, der frei ist von der Erbsünde. 

Maria ist der Mensch, wie Gott ihn am Anfang der Schöpfung erschaffen und gewollt hat: frei, zu vorbehaltloser Liebe fähig, ohne die bohrende Angst, selber zu kurz zu kommen, wenn er sich ganz auf Gott einlässt. 

Maria als Urbild des erlösten Menschen heißt: Was uns in der Taufe geschenkt wird, das besaß Maria vom ersten Augenblick ihrer Existenz an. 

Worum wir unser ganzes Leben ringen müssen, das war Maria gnadenhaft geschenkt. In ihr schauen wir, wie erlöstes Menschsein ausschaut. 

Das Hochfest von der Unbefleckten Empfängnis will uns allen Mut machen: Es ist möglich! Denn wir sind nicht einfach schwache Sünder und gleichsam „arme Würstchen“, die halt so sind, wie sie sind, da kann man nichts machen. 

Gott hat uns in der Taufe dieselbe Gnade geschenkt, mit der er Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens ausgestattet hatte. Mit der Taufe hat uns Christus von der Erbschuld befreit. 

Daher sind wir genau wie Maria fähig, uns vorbehaltlos Gottes Heilsplan zur Verfügung zu stellen. Wir können uns ganz Gott und seinem Willen anvertrauen, wir brauchen keine Angst zu haben, auf der Strecke dabei zu bleiben. Wir können damit die Welt  erneuern, wir können das Ruder herumreißen und mitwirken mit Gott in Jesus Christus, eine heile Welt schafft. 

Mit Maria schauen wir, was möglich ist, wenn wir uns wie sie vorbehaltlos  der Liebe anvertrauen. 

Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib!